Endlich war ich mal wieder mit Claudia laufen. Immer kam uns irgendetwas dazwischen. Und nun tat es heute so gut, sich mal wieder auszutauschen. Außerdem laufe ich mit ihr eine viel längere Strecke als alleine. Ich hätte eigentlich genug zu tun gehabt, eigentlich wäre keine Zeit zum Laufen gewesen. Aber eigentlich habe ich nie Zeit zum Laufen. Und wie schreibt Beate heute so treffend: „Seien Sie gut zu sich, passen Sie gut auf sich auf.“ Sie meinte in der Zeit der Wechseljahre. Ich meine, wir fangen am Besten gleich damit an. Gut sein zu mir, dass bedeutet, Auszeit immer wieder vom Alltag zu nehmen. Sich nicht selbst an den Haushalt versklaven, nicht mit Selbstvorwürfen bombardieren, wenn man Fehler gemacht hat, einen liebevollen Blick auf sich werfen und im Herzen zu wissen, man ist geliebt. Das bedeutet für mich meinen Giraffenkopf zu senken und auch mal gelassen und unvernünftig zu sein.
Nach dem Tod von Julian waren unsere Jungs ein Jahr lang bei einer Erziehungsberatung. Nicht nur der Verlust des Bruders wurde dort therapiert sondern alles mögliche andere auch. Eines Tages sollte Jonathan ein Bild von uns als Familie malen, als Tiere dargestellt. Hinterher hat die Therapeutin das Bild mit uns besprochen. Ich war eine Giraffe.
Giraffen sind große Tiere, die kontrollierend den Kopf über allem haben, meinen alles wissen zu müssen und für alles die Verantwortung zu tragen.
„Ach Frau Malisic, seien sie doch nicht so vernünftig.“, seufzte die Therapeutin. Wie oft sage ich mir das in Situationen, in denen ich merke, ich kontrolliere wieder alles und jeden. Wie oft ermahne ich mich, wenn ich mich und meine Familie vor lauter Ehrgeiz alles richtig machen zu wollen, so unter Druck setze, dass es für alle unerträglich ist. Ich lerne, und lerne und lerne. Und dabei geht es mir so gut, wenn ich 5 gerade sein lasse, wenn ich das Leben lockerer nehme als es ist. Wenn ich mir nicht ständig um alles Sorgen mache. Wie leicht lebt es sich wenn ich annehme, dass Gott mich liebt wie ich bin, auch mit meinen Macken. Wie gut tut es, wenn ich Gott seinen Job machen lasse, nämlich meine Sorgen zu tragen. Und wie gut tut es mir, wenn ich gut zu mir bin.
Zwei volle Stunden Zeit habe ich heute Morgen noch um aufzuräumen, die Wäsche zu erledigen und mindestens drei Schriftstücke zu erledigen. Denn etwas Gutes für sich zu tun heißt ja noch lange nicht, dass alles andere liegenbleibt.
hm