Archive für 6.2.2008

Nichtstun

Habe gerade mal die Routen zu meinen nächsten Terminen angeschaut. Alles was unter 150 km ist fahre ich mit dem Auto, drüber mit der Bahn. Nach Primasens und Holzgerlingen fahre ich also mit dem Auto. Und dabei mag ich Zug fahren eigentlich lieber. Wann bitteschön habe ich so viel Zeit zum Nichtstun? Das Wort „Nichtstun“ schleicht sich in der letzten Zeit immer öfter in meinen Wortschatz. Ist es das Alter, ist es die Einstellung „einen Gang zurückzuschalten“, sind es die Gespräche mit Beate, und die Feststellung, dass es wichtig ist, gut zu sich zu sein? Bei den vielen Terminen, den vielen Aufgaben, den Herausforderungen des Alltags frage ich mich allerdings oft: „Wann habe ich Zeit für mich.“ Und antworte mir selber immer wieder: „Dann, wenn ich sie mir nehme.“ Ich hätte immer noch „etwas“ zu tun. Es gäbe immer irgendetwas zu erledigen. Die Kunst der Gelassenheit liegt vielleicht darin, Dinge auch mal liegenzulassen. Fällt mir nicht immer leicht, aber ich bin bemüht mich darin zu üben.

Und dann reflektiert man seine Vergangenheit und kommt zu dem Ergebnis, dass man so viel versäumt hat, so viele Fehler gemacht hat, so viel hätte besser machen können. Gerade im Rückblick auf die Kindererziehung schleicht sich das schlechte Gewissen bei uns Müttern ein. Das habe ich gerade gestern wieder während eines Gesprächs erfahren. Und dennoch: Wir sind eben alle nur Menschen, und machen Fehler, und würden sie vielleicht wieder tun, könnten wir das Rad zurückdrehen. Und wenn nicht dieselben, dann andere. Ich bin so dankbar und froh, dass ich eine Beziehung zu Jesus habe, der mir immer wieder versichert, dass er mich liebt, wie ich bin, trotz meiner Fehler und Schwächen, und dass er mir vergibt, da wo ich mich schuldig gemacht habe. Und ist es nicht das, was mein Leben so bereichert, oder eher gesagt ausmacht? Ein Leben in Beziehung zu Gott zu führen, zu dem ich mit allem kommen darf. Auch wenn die Dinge des Alltags oft überhand nehmen, weiß ich, er ist immer für mich da, und er wartet darauf, dass ich zu ihm komme.

Hab gleich einen Telefontermin mit dem Redakteur der Fernsehsendung. Ein bisschen Haushalt, Wäsche, Kochen, und dann ist auch schon wieder mein Weight Watchers Treffen angesesagt.

Vorgestern musste ich etwas tun, was mir ziemlich schwer fällt. Ich wurde zu einem Frauenfrühstück im Oktober eingeladen, eigentlich hier ganz in der Nähe. Solche Termine sind mir natürlich am liebsten. Aber der Oktober ist schon so voll, ich habe abgesagt. Und dann plage ich mich hinterher mit einem schlechten Gewissen herum und der Frage: „Hätte ich doch zusagen sollen?“ Auf der anderen Seite frage ich mich: „Leidet mein Gewissen nicht viel eher darunter, wenn ich zu viel unterwegs bin?“ Und ich hatte mir vorgenommen, nicht zu viele Termine zuzusagen. Schon schlimm, dass wir Frauen unsere Entscheidungen immer wieder in Frage stellen. Aber nun, ein paar Tage später bin ich mir eben sicher: Es war die richtige Entscheidung. Wie schreibt Beate in unserem Buch: Wer zu oft „Ja“ sagt zu fremden Terminen, muss zu oft „Nein“ sagen zur eigenen Familie und sich selbst. Und gerade das ist es, was ich lernen möchte.

hm

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