Manchmal liege ich am Strand oder schwimme im Meer und frage mich: „Warum tue ich mir das jedes Jahr auf’s Neue an?“. Die Erinnerung an Julian ist hier zum Greifen nahe. Seit neun Jahren gehen wir nicht mehr an den Unglücksstrand, dennoch erinnert uns alles andere an ihn. Alle Orte sind noch dieselben, die Gerüche, die Eindrücke, das Rauschen des Meeres, die Atmosphäre. Es gibt kaum eine Zeit, in der ich so intensiv an meinen Jungen denke wie hier. Man müsste meinen, wir sollten hier keinen Urlaub mehr machen, zu groß ist doch immer wieder der Schmerz. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bin sehr froh, dass mir Julian hier im Urlaub immer wieder so nahe ist. Dass die Erinnerung mir oft die Tränen in die Augen treibt, mir mein Herz schwer wird. Das gehört dazu, das ist meine Art mein Kind zu erleben, das will ich nicht missen, dafür gehört er zu sehr zu uns. Dieses Jahr ist Joana sieben, und fast alles an ihr erinnert mich an ihn. Ich sehe ihre Hände, und sehe seine Hände, ich sehe ihre Füße und sehe seine Füße. Und dennoch ist Joana so sehr eigene Persönlichkeit und schenkt uns so viel Freude. Sie spürt es, dass sie uns an Julian erinnert. Ich weiß nicht, ob das schlimm für sie ist. Aber so ist es nun einmal, das können wir nicht ändern. Und vielleicht sollte es so sein.
hm