Archive für 12.9.2009

Im Blumenzimmer


Schon seit einiger Zeit liegt Manuel uns in den Ohren: „Ihr müsst unbedingt mal in unserem Hotel Essen gehen.“ Immer kam irgendetwas dazwischen, und schließlich müssen ja auch die anderen Kinder zu Hause versorgt sein. Außerdem wollte Manuel unbedingt, dass wir von seiner Lieblingskollegin S. bedient werden. Und nachdem wir ihm zusagten, dass wir an diesem Wochenende Zeit und Lust haben, hat er kurzerhand einfach für gestern Abend einen Tisch bestellt.

Aber nicht einfach irgendeinen Tisch. „Das Blumenzimmer, und der Pavillon sind am Schönsten. Ich habe euch einen Tisch im Blumenzimmer reserviert, und ihr werdet von S. bedient.“ Nun waren wir auch schon sehr gespannt. Sehr herzlich wurden wir dann von S. und auch der Hotelchefin begrüßt und an den schönsten Tisch im Blumenzimmer geführt. Manuel weiß, dass wir lieber auf einer Bank sitzen als auf einem Stuhl, darauf hat er bei seiner Auswahl geachtet. Und auf einem kleinen Porzellanständer stand in der unverkennbaren Handschrift unseres Sohnes „Herzlich Willkommen Familie Malisic“. Da wurde doch mein Herz wieder weich.

Zu unserer und Manuels großer Freude durfte er uns sogar das Essen mit S. zusammen servieren. Eigentlich arbeitet er momentan nur am Buffet und hat noch gar keinen direkten Kontakt mit den Gästen. Für ihn, wie für uns war das schon besonders. Das Essen war vorzüglich, wirklich eine Gaumenfreude und Augenweide. Das durften wir dann auch dem Koch weitergeben, der kurz zum Begrüßen an unseren Tisch kam. Die Krönung war als Dessert, die weltbeste Mousse au chocolat!

Ein wunderschöner Abend, mit neuen Eindrücken ging zu Ende und als wir nach der Rechnung fragten, druckste S. etwas herum. Dann kam sie mit einem Porzellanschälchen, in dem sich zwei Pralinen befanden zurück, stellte sie uns auf den Tisch und meinte: „Die Rechnung wurde von Manuel beglichen.“

Ich muss dann schon aufpassen, dass mir nicht gleich die Tränen aus den Augen fallen. Alltagsemotionen mal wieder. Für den Moment haben wir das so stehen gelassen, das gute Gefühl genossen, wie sehr uns unser Sohn liebt.

Zu Hause dann haben wir die Sache mit ihm geklärt. Natürlich kommt das gar nicht in Frage, aber die Geste zählt, und das ist mal wieder ein Stückchen Freude in unseren Herzen.

hm

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