Ein Helm wäre Gold wert gewesen


Ein Snakeboard hat sich der Junge gewünscht, und eins bekommen. Am Montag lag es auf seinem Geburtstagstisch und ein Grinsen huschte über sein Gesicht. „Jonathan, bitte, nur mit Schützern und Helm.“, mahnte ich ihn.

„Einen Helm hab ich nicht.“

Fahrradhelme sind uncool, er weigert sich, so ein Teil auf den Kopf zu setzen. Und alles Mahnen, Zwang und Ärger hilft nicht. Er setzt ihn nicht auf. Mein Bruder hatte die geniale Idee. „Ich schenke ihm einen coolen schwarzen Skaterhelm zum Geburtstag.“ Und Jonathan stimmte zu. Am Freitag kam das Paket an, der Helm ist tatsächlich cool. „Du könntest ihn auch zum Fahrradfahren aufsetzen.“, versuchte ich es erneut. „Nee, mach ich nicht, beim Fahrradfahren passiert mir eh nichts. Ich weiß nicht, wie andere Mütter das schaffen, ich bekomme den Jungen nicht dazu, das Teil auf den Kopf zu setzen. Er würde es unterwegs wieder abnehmen.

Jonathan will sich sofort bei Onkel Frank bedanken, ruft in seiner Firma an. Er ist noch nicht da. Eine halbe Stunde später bekomme ich einen Anruf von seinem Kollegen. „Erschrick nicht, es ist nicht lebensgefährlich, aber Frank hatte einen schweren Verkehrsunfall. Er ist beim Fahrradfahren von einem Auto angefahren worden.“

Natürlich erschrecke ich. Ein paar Minuten später telefoniere ich mit der Polizei, die mir nur sagen kann, dass es so aussieht, als bestünde keine Lebensgefahr. Mein Bruder sei auf dem Kopf aufgeprallt, und hätte sehr, sehr viel Blut verloren. „Ein Helm wäre Gold wert gewesen.“ Da spielt es kaum eine Rolle, dass er keine Schuld trägt.

Zwei Tage sind seitdem vergangen. Meinem Bruder geht es den Umständen entsprechend gut. Er hat keine inneren Verletzungen, hoffen wir, denn sein Auge ist noch komplett geschwollen, das Lid musste genäht werden. Wir hoffen, dass mit dem Auge alles ok ist. Seine ganze rechte Seite ist Matsch. Er hat uns ein Foto geschickt. Es reicht, dass meine Kinder ab sofort mit Helm fahren. Und ich frag mich: Muss so etwas immer erst passieren?

hm

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