Archive für 2.11.2009

Ich bin eine Frau


Die Wohnung, in der ich das Wochenende verbringen durfte war nicht nur frisch renoviert. Da war eine Künstlerin am Werk, die die Wände geschmackvoll gestrichen hat und farblich übereinstimmend die Gardinen, Teppich und Deko ausgesucht hat. Schlafzimmer grün, Wohnzimmer lila, es war eine Augenweide. Aber der Knaller war eine Wand im Schlafzimmer. Mit großen Buchstaben stand ein Spruch über dem Bett. Links und rechts davon zwei paar hochhackige Damenschuhe, mit Preisschildern: Sale: 155,–€ und 150,–€. Der Spruch dazwischen brachte mich zum Schmunzeln:

Ich bin eine Frau. Ich habe das Recht dazu, nicht zu wissen was ich will.

Eine Woche vorher. Ich schlendere mit Vlado durch Karlsruhe. Seit langem haben wir mal wieder Zeit nur zu zweit. Bei einem Handtaschengeschäft bleibe ich stehen. Schon seit mehreren Jahren bin ich auf der Suche nach „der“ Handtasche für mich. Während ich nicht genug Schuhe haben kann, brauche ich eigentlich nur eine Handtasche. Ich habe einige. Die guten hat mir mein Mann geschenkt, die Schnäppchen habe ich ausgesucht. Dazu gesellen sich noch ein paar selbstgenähte. Alles nichts Besonderes, die schönen Taschen von meinem Mann sind für den Alltag zu klein.

Und ich hasse es, die Utensilien von einer Tasche in die nächste zu räumen. Immerzu nachzudenken, wo ich denn nun mein Portemonnaie habe. Mir würde eine Tasche reichen, wenn es denn die richtige wäre.

Mein Problem: Es gibt einfach keine Tasche, die mir gefällt und die meinem Preisbudget entspricht. Doch dann sehe ich sie. Lila zwar, aber dennoch recht schlicht, groß genug, mit Reißverschluss zu einem Preis, den ich normalerweise nicht mal eben zwischendurch bezahlen würde, der aber für eine Ledertasche noch akzeptabel ist.

„Kauf sie dir doch.“, ermutigt mich Vlado. Ich überlege hin und her. Sie ist schön, ja, sie ist groß genug, ja, mein Mann stimmt dem Kauf zu, mmhh. Aber, vielleicht finde ich doch noch eine andere Tasche, die mir noch besser gefällt.  Ich bin eine Frau, ich habe das Recht, nicht zu wissen was ich will. Und so lasse ich sie liegen, und ärgere mich noch drei Tage später, dass ich sie nicht genommen habe.

Am Samstag in Karlsruhe wusste ich plötzlich genau was ich will. Die Verkäuferin in dem Handtaschenladen war schon etwas verzweifelt. Und ich versicherte ihr, sie könne mich getrost mal alleine schauen lassen, denn ich habe da so einen speziellen Geschmack. Und dann stand sie da, und ich wusste, das ist meine. Sie war doppelt so teuer, wie die andere Tasche, aber oh wie schön: um die Hälfte reduziert.

Ich bin eine Frau, ich habe das Recht, nicht zu wissen was ich will. Aber manchmal: Da wissen wir genau was wir wollen.

hm

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